Die Grundregel: erst schneiden, dann harken
Die wichtigste Regel für den Herbstputz klingt banal und wird trotzdem fast immer falsch herum gemacht. Arbeiten Sie von oben nach unten. Erst kommen Hecke und Sträucher, dann das Laub und das Schnittgut, ganz zum Schluss das Werkzeug. Wer am Samstagmorgen den Rasen sauber harkt und nachmittags die Hecke schneidet, harkt am Sonntag ein zweites Mal.
Die zweite Regel betrifft das Wetter. Schneiden Sie an trockenen, frostfreien Tagen. Nasses Holz franst an der Schnittstelle leichter aus, und bei Frost wird es spröde und splittert. Laub harken Sie ebenfalls am besten trocken, dazu gleich mehr. Ein trockener Oktobersamstag nach ein paar Regentagen ist ideal.
Was vor dem Frost einmalig erledigt werden muss, also Bewässerung entleeren, Kübelpflanzen schützen und den letzten Rasenschnitt mit Herbstdünger, steht in Garten winterfest machen. Wie wir dieselben Arbeiten im festen Rhythmus übernehmen, beschreibt Herbstpflege mit System. Hier geht es um die Handgriffe.
1Laub: Rechen oder Bläser, nass oder trocken
Auf dem Rasen ist der Rechen das bessere Werkzeug. Ein Fächerbesen mit federnden Zinken aus Metall oder Kunststoff nimmt das Laub auf, ohne die Grasnarbe aufzureißen. Ziehen Sie ihn flach und locker über die Fläche, nicht mit Druck wie beim Vertikutieren. Bei wenig Laub geht es noch schneller mit dem Rasenmäher: Mähwerk hoch einstellen, Fangkorb drauf, einmal über die Fläche. Das Laub wird dabei zerkleinert und mit etwas Grasschnitt gemischt, eine ideale Mischung für den Kompost.
Der Laubbläser ist für Pflaster, Kies und Ecken da. Unter Sträuchern, zwischen Kübeln und in Mauerecken spart er viel Zeit. Auf dem Rasen bläst er dagegen auch Moos und lose Erde mit. Laubsauger mit eingebautem Häcksler setzen wir nicht ein, weil sie Insekten, Spinnen und kleine Amphibien gleich mit einsaugen. Wenn Sie ein Gerät kaufen, nehmen Sie ein Akkugerät, es ist deutlich leiser. Und denken Sie an die Ruhezeiten: In Wohngebieten dürfen Laubbläser nach der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung werktags nur von 9 bis 13 und von 15 bis 17 Uhr laufen, an Sonn- und Feiertagen gar nicht. Manche Gemeinden regeln das noch strenger.
Trocken geht es leichter, warten Sie aber nicht zu lange. Nasses Laub klebt am Rechen, wiegt ein Vielfaches und verdichtet den Boden, wenn Sie mit der Schubkarre darüberfahren. Ein trockener Nachmittag nach dem Regen ist deshalb der beste Zeitpunkt. Aber: Eine nasse Laubschicht, die zwei Wochen auf dem Rasen liegt, ist schlimmer als eine nasse Laubschicht, die Sie heute abräumen. Auf Wegen und Treppen gilt das doppelt, nasses Laub ist dort eine Rutschfalle. Den Gehweg vor dem Grundstück müssen Sie in vielen Gemeinden laut Straßenreinigungssatzung ohnehin selbst freihalten.

Wohin mit dem Laub? Der beste Platz ist im eigenen Garten. Unter Hecken, Sträuchern und auf Staudenbeeten darf eine Schicht von fünf bis zehn Zentimetern liegen bleiben. Sie schützt den Boden vor Frost, hält Feuchtigkeit und ist im Frühjahr zum großen Teil verschwunden. Den Rest geben Sie in dünnen Lagen auf den Kompost, am besten gemischt mit Grünschnitt, damit es nicht verklebt. Ein lockerer Laubhaufen in einer ruhigen Ecke, abgedeckt mit ein paar Zweigen, wird gern zum Winterquartier für Igel. Zwei Ausnahmen: Laub von Walnuss, Eiche und Kastanie verrottet wegen seiner Gerbstoffe sehr langsam, es gehört nur in kleinen Mengen auf die Beete. Und Laub von Rosen oder Obstbäumen mit Pilzbefall, etwa Sternrußtau oder Schorf, kommt in die Biotonne oder zur Grünabfallannahme, nicht auf den Kompost.
2Hecke: Werkzeug, Schnittwinkel, Reihenfolge
Seit dem 1. Oktober dürfen Hecken wieder kräftiger geschnitten werden, die Schonzeit aus dem Bundesnaturschutzgesetz ist vorbei. Im Herbst geht es trotzdem um einen sauberen Formschnitt, nicht um einen radikalen Rückschnitt. Wer eine Hecke stark verjüngen will, macht das besser im Spätwinter an frostfreien Tagen, dann treibt sie im Frühjahr kräftig durch.
Das richtige Werkzeug hängt von der Hecke ab. Für kleinblättrige Formhecken wie Hainbuche, Liguster, Buche oder Eibe ist eine Akku-Heckenschere mit scharfen Messern ideal. Großblättrige Hecken wie Kirschlorbeer schneiden wir lieber mit der Handschere, denn die Motorschere zerfetzt die Blätter, und die angeschnittenen Ränder werden braun. Für hohe Hecken nehmen Sie eine Teleskop-Heckenschere statt der obersten Leitersprosse. Vor dem ersten Schnitt: einmal mit der Hand in die Hecke greifen und nach Nestern, Igeln oder alten Drähten schauen.
Legen Sie eine Plane unter. Ein altes Vlies oder eine Gewebeplane am Fuß der Hecke fängt den größten Teil des Schnittguts auf. Sie ziehen es anschließend einfach zur Schubkarre und sparen sich das Auskämmen aus Rasen und Beet.
Schneiden Sie die Hecke unten breiter als oben. Die Flanken sollen leicht nach innen geneigt sein, als Faustregel etwa zehn Zentimeter schmaler je Meter Höhe auf jeder Seite. Von der Seite gesehen entsteht ein flaches Trapez. So bekommen auch die unteren Zweige Licht, die Hecke bleibt bis zum Boden dicht, und Schnee rutscht im Winter ab, statt die Krone auseinanderzudrücken.
Die Reihenfolge: erst die Seiten, dann die Krone. An den Flanken arbeiten Sie von unten nach oben, in ruhigen, bogenförmigen Bewegungen, die Messer parallel zur Heckenfläche. Für die Krone spannen Sie eine Schnur zwischen zwei Stäben auf der gewünschten Höhe, dann wird sie gerade, auch wenn der Boden abfällt. Bei Thuja, Scheinzypresse und anderen Nadelgehölzen gilt: nur im grünen Bereich schneiden. Ins alte, braune Holz geschnitten, treiben sie nicht wieder aus, und die Lücke bleibt.

3Sträucher: auslichten statt kappen
Bei Sträuchern passiert im Herbst der größte Schaden, weil gut gemeint geschnitten wird. Die wichtigste Frage vor jedem Schnitt lautet: Wann blüht der Strauch? Frühjahrsblüher wie Forsythie, Flieder, Weigelie oder Zierjohannisbeere haben ihre Blütenknospen für das nächste Jahr längst angelegt. Wer sie jetzt einkürzt, schneidet die Blüte weg. Sie werden direkt nach der Blüte im Frühsommer geschnitten. Sommerblüher wie Schmetterlingsflieder oder Rispenhortensie kommen erst im Spätwinter dran.
- Totholz, kranke und abgebrochene Triebe
- Triebe, die sich kreuzen oder nach innen wachsen
- bei alten Sträuchern einzelne Triebe bodennah
- Zweige, die über Wege und Zufahrten wachsen
- lange Rosentriebe einkürzen, damit der Wind sie nicht abknickt
- Bauernhortensien: die Knospen sitzen an den Triebspitzen
- Frühjahrsblüher wie Forsythie, Flieder, Weigelie
- Stauden und Gräser: Winterschutz und Quartier für Insekten
- Lavendel: verträgt den Schnitt vor dem Winter schlecht
- Hauptschnitt der Rosen: erst zur Forsythienblüte
Auslichten heißt: ganze Triebe heraus, nicht alles ein Stück kürzer. Ein Strauch, der rundherum eingekürzt wird, treibt an jeder Schnittstelle mehrere neue Triebe und wird innen immer dichter und außen immer kahler. Besser ist es, bei älteren Sträuchern jedes Jahr etwa ein Drittel der ältesten Triebe direkt über dem Boden zu entfernen. So verjüngt sich der Strauch von unten, und seine natürliche Form bleibt erhalten.
Die Schnittstelle entscheidet, ob die Wunde gut verheilt. Einen Seitenast nehmen Sie auf Astring ab, also direkt vor der leichten Verdickung am Ansatz, ohne Stummel und ohne in den Hauptast zu schneiden. Beim Einkürzen setzen Sie die Schere wenige Millimeter über einer nach außen zeigenden Knospe an, leicht schräg, damit Wasser von der Knospe weg abläuft. Für lebendes Holz nehmen Sie eine Bypass-Schere, deren Klingen wie bei einer Haushaltsschere aneinander vorbeigleiten. Eine Amboss-Schere quetscht frische Triebe. Bis etwa zwei Zentimeter Durchmesser reicht die Gartenschere, bis etwa vier Zentimeter die Astschere, darüber die Säge. Bei Bäumen und großen Gehölzen helfen wir gern mit dem Baumschnitt.
4Werkzeug: reinigen, schärfen, einlagern
Nach dem Herbstputz hat das Werkzeug seine anstrengendste Woche hinter sich. Wenn Sie es jetzt eine Stunde lang pflegen, startet es im Frühjahr ohne Rost und schneidet sauber. Wer es nass in die Garage stellt, findet im März eine Schere, die klemmt, und einen Spaten mit Rostkruste.
Reinigen. Erde bürsten Sie trocken ab, Pflanzensaft und Harz lösen Sie mit warmem Seifenwasser oder etwas Spiritus. Haben Sie kranke Pflanzen geschnitten, wischen Sie die Klingen zusätzlich mit Alkohol ab, damit Pilzsporen nicht im Frühjahr weitergetragen werden.
Schärfen. Eine Bypass-Schere schärfen Sie mit einem feinen Schleifstein oder einer Diamantfeile nur auf der angeschliffenen Seite der Klinge, im vorhandenen Winkel und immer von innen zur Spitze hin. Die flache Gegenseite wird nur einmal leicht abgezogen, um den Grat zu entfernen. Die Messer einer Motor-Heckenschere lassen Sie am besten beim Fachhändler schleifen.
Ölen und einlagern. Gelenke und Klingen bekommen einen dünnen Film aus harzfreiem Öl, Holzstiele einen Anstrich mit Leinöl. Spaten, Rechen und Harke hängen Sie trocken auf, so stehen sie nicht in der Feuchtigkeit am Boden. Akkus gehören nicht in die kalte Garage, sondern halb geladen an einen trockenen, frostfreien Ort im Haus. Was mit Schlauch, Gießkannen und Gartenmöbeln passiert, steht im Beitrag Garten winterfest machen.
Ihr Wochenendplan: fünf Schritte in der richtigen Reihenfolge
So sieht ein Herbstwochenende für einen normalen Reihenhaus- oder Einfamilienhausgarten aus, wenn alles in der richtigen Reihenfolge passiert. Die lauten Arbeiten liegen auf dem Samstag, weil motorbetriebene Heckenscheren und Laubbläser in Wohngebieten sonntags nicht laufen dürfen. Der Sonntag gehört dem Rechen und dem Werkzeug.
- Sa · 9 UhrRundgang und Vorbereitung. Einmal durch den Garten gehen und festlegen, was geschnitten wird und was stehen bleibt. Schere schärfen, Plane und Schubkarre bereitlegen, Grünabfall-Säcke oder Anhänger organisieren.
- Sa · VormittagHecke schneiden. Plane unterlegen, erst die Seiten von unten nach oben, dann die Krone an der Schnur entlang.
- Sa · NachmittagSträucher auslichten. Totholz und alte Triebe heraus, Schnittgut direkt auf die Plane. Wer einen Bläser für Wege und Ecken nutzt, erledigt das zwischen 15 und 17 Uhr.
- So · VormittagLaub und Schnittgut abräumen. Rasen mit dem Rechen frei machen, Laub in die Beete und unter die Gehölze, den Rest auf den Kompost oder zur Grünabfallannahme.
- So · NachmittagWerkzeug pflegen. Reinigen, schärfen, ölen, trocken aufhängen, Akkus ins Haus.
Fehler, die wir auf Baustellen immer wieder sehen
Wenn wir im Frühjahr zu einem neuen Pflegekunden kommen, sehen wir oft noch die Spuren des letzten Herbstes. Diese Fehler begegnen uns am häufigsten, und alle lassen sich mit ein paar Minuten Nachdenken vermeiden.
- Die Hecke ist oben breiter als unten. Die unteren Zweige bekommen kein Licht mehr, die Hecke wird von unten kahl, und die Lücken wachsen über Jahre nicht zu.
- Thuja oder Scheinzypresse wurden ins alte Holz geschnitten. Die braunen Stellen treiben nicht wieder aus. Oft bleibt nur, die Hecke zu ersetzen.
- Die Bauernhortensie wurde im Herbst „ordentlich gemacht“. Mit den Triebspitzen sind die Blütenknospen weg, und im nächsten Sommer steht ein grüner Busch ohne eine einzige Blüte.
- Äste wurden mit Stummel oder direkt am Stamm abgeschnitten. Der Stummel stirbt ab und fault, der zu tiefe Schnitt verletzt den Astring. Beides öffnet Pilzen die Tür.
- Erst geharkt, dann geschnitten. Kein Schaden für den Garten, aber ein verlorener Nachmittag.
- Alles Laub in die Biotonne. Damit geht der beste Winterschutz für die Beete verloren, und im Frühjahr wird Rindenmulch gekauft, der dieselbe Aufgabe hätte übernehmen können.


