Warum gerade jetzt gepflanzt wird
Kurz gesagt: Der Boden ist noch warm, die Luft wird kühler, und die Pflanze hat oberirdisch nichts mehr zu tun. Sie steckt ihre ganze Kraft in die Wurzel und startet im Frühjahr mit einem Vorsprung, den eine Frühjahrspflanzung nie aufholt. Warum das so ist und welche Pflanzen am meisten davon haben, steht ausführlich in unserem Beitrag zur Herbst-Pflanzzeit. In diesem Artikel geht es um das, was danach kommt: das Handwerk.
„Was jetzt gemacht wird, sieht man im Frühjahr."
Dieser Satz begleitet uns durch den ganzen Herbst. Er gilt für die Hecke, die im Oktober gesetzt wird und im Mai schon dicht steht. Er gilt für die Staude, die jetzt unscheinbar im Topf sitzt und im nächsten Jahr ein Beet füllt. Und er gilt für alles, was wir beim Pflanzen richtig oder falsch machen: Ein zu tief gesetzter Strauch, ein nicht gelockerter Wurzelballen, ein vergessenes Angießen – das fällt heute nicht auf. Im Frühjahr sehen Sie es.
Vor dem Spaten: die Pflanzplanung
Kein Beet entsteht bei uns aus dem Bauch heraus. Vor der Pflanzung klären wir, was an welche Stelle gehört: Wie viel Licht fällt ein, wie ist der Boden, wo staut sich Wasser, wo trocknet es schnell aus? Und vor allem: Wie groß wird jede Pflanze in fünf Jahren? Die Pflanzplanung sorgt dafür, dass die Stauden später nicht ineinanderwachsen, dass die Hecke den Weg nicht zuwächst und dass der Vorgarten vom Frühjahr bis in den Herbst etwas zu zeigen hat. Bei größeren Vorhaben ist dieser Schritt Teil unserer 3D-Gartenplanung; warum sich der Spätsommer dafür besonders eignet, lesen Sie im Beitrag zur Gartenplanung im Spätsommer. Bei einem Vorgarten reicht oft ein Vor-Ort-Termin im Rahmen der Gartenberatung.
Schritt für Schritt: So pflanzen wir
1. Den Boden vorbereiten
Ein gutes Beet beginnt unter der Oberfläche. Wo vorher Rasen war oder der Boden über Jahre festgetreten wurde, gehen wir mit der Bodenfräse durch. Sie lockert die obere Schicht auf etwa 20 bis 25 Zentimeter, zerkleinert alte Wurzeln und arbeitet Kompost oder Pflanzerde gleich mit ein. Auf den sandigen Böden rund um Oldenburg ist dieser Schritt besonders wichtig, weil Sand Wasser und Nährstoffe schlecht hält. Etwas organisches Material im Boden macht später den Unterschied zwischen einem Beet, das ständig gegossen werden muss, und einem, das sich selbst versorgt. Verdichtete oder staunasse Stellen erkennen wir dabei sofort und beheben sie, bevor eine Pflanze hineinkommt.
2. Pflanzen auslegen und Abstände festlegen
Bevor der erste Spaten in die Erde geht, stellen wir alle Pflanzen im Topf dorthin, wo sie später stehen sollen. So sehen wir das Beet als Ganzes und können noch verschieben. Die Abstände richten sich nach der Endgröße, nicht nach der Größe im Topf: Eine Staude, die 40 Zentimeter breit wird, bekommt rund 40 Zentimeter Platz. Gehölze stehen deutlich weiter auseinander, Hecken dagegen bewusst eng, damit sie schnell dicht werden. Ein Beet, das am Pflanztag lückig wirkt, ist meistens richtig gepflanzt. Ein Beet, das am Pflanztag voll aussieht, ist in zwei Jahren überfüllt.
3. Den Wurzelballen prüfen und lockern
Das ist der Schritt, der am häufigsten ausgelassen wird. Eine Pflanze, die lange im Topf stand, hat ihre Wurzeln am Topfrand entlanggeführt, oft in einer festen Spirale. Setzt man sie so in die Erde, wachsen die Wurzeln weiter im Kreis, statt ins umgebende Erdreich zu greifen. Wir nehmen deshalb jeden Ballen in die Hand, lockern die Außenseite mit den Fingern und reißen dicht verfilzte Wurzeln an einigen Stellen leicht auf. Trockene Ballen tauchen wir vorher in Wasser, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Bei einer Pflanze wie dem Storchschnabel ist der Ballen klein und schnell gelockert; bei einem Gehölz im großen Container dauert es ein paar Minuten, die sich über Jahre auszahlen.
4. Das Pflanzloch
Das Loch ist etwa anderthalb- bis doppelt so breit wie der Ballen, aber nicht tiefer als der Ballen hoch ist. Die Pflanze soll später genauso tief stehen wie im Topf, mit einer Ausnahme: Bei Rosen kommt die Veredelungsstelle rund fünf Zentimeter unter die Erde. Die Sohle und die Wände des Lochs lockern wir mit dem Spaten an, damit die Wurzeln nicht auf eine glatte, verdichtete Kante treffen.
5. Einsetzen und andrücken
Die Pflanze wird gerade eingesetzt, das Loch mit der gelockerten Erde aufgefüllt und rundherum fest angedrückt. Nicht festgestampft, aber so, dass keine Hohlräume bleiben, in denen die Wurzeln in der Luft hängen würden. Bei Gehölzen formen wir aus der übrigen Erde einen kleinen Gießrand, der das Wasser dort hält, wo es gebraucht wird.
6. Angießen – auch wenn es regnet
Direkt nach dem Setzen wird jede Pflanze gründlich eingeschlämmt. Das schließt die letzten Hohlräume und bringt Erde und Wurzel in Kontakt. Ein Gehölz bekommt dabei zehn bis zwanzig Liter, eine Staude entsprechend weniger. Und es bleibt nicht beim ersten Mal: Solange der Boden frostfrei ist, braucht frisch Gepflanztes gleichmäßige Feuchtigkeit. Der Herbstregen hilft, ersetzt das Gießen in den ersten Wochen aber nicht. Was beim Wässern sonst zählt, haben wir im Beitrag zur Bewässerung im Garten zusammengefasst.
Gehölze mit Pfahl sichern
Rosenstämmchen, Hochstämme und größere Sträucher bekommen einen Pfahl. Den schlagen wir ein, bevor die Pflanze im Loch sitzt, sonst verletzt er die Wurzeln. Angebunden wird mit einem weichen Band in einer Achterschlinge, die den Stamm hält, ohne ihn einzuschnüren. Der Pfahl bleibt ein bis zwei Jahre, bis die Wurzeln die Pflanze selbst im Wind halten.
Aus der Praxis: ein Vorgarten in Oldenburg
Wie das zusammen aussieht, zeigt ein Vorgarten, den wir im August in Oldenburg neu gestaltet haben. „Ein blühfreudiger neuer Vorgarten mit Rosen, Stauden und ein bisschen kleinen Gehölzen", so hat Sonja die Aufgabe auf der Baustelle beschrieben. Das Beet wurde gefräst, dann kamen Rosenstämmchen, weiße Rispenhortensien und dazwischen Bodendecker. Die Rosen: gefüllt, kräftig pink, ein Blickfang direkt neben der Haustür.
Zwischen den Gehölzen sitzt eine Staude, die wir gern als Beispiel nehmen, weil sie zeigt, was eine gute Pflanzenauswahl leistet: ein Storchschnabel. Eric hatte ihn beim Dreh in der Hand: „Eine richtig tolle blühfreudige Staude. Blüht von Mai bis eigentlich fast in den November und ist ein super Bienenmagnet." Heute ein kleiner Topf, in zwei Jahren ein dichter Teppich voller violetter Blüten, an dem Hummeln und Bienen den ganzen Sommer arbeiten. Genau dafür lohnt die Herbstpflanzung: Die Staude wurzelt jetzt ein und kann im Mai sofort loslegen.
Unsere Leistung
Pflanzarbeiten vom Meisterbetrieb
Von der Bodenvorbereitung über die Pflanzenauswahl bis zum Angießen – wir pflanzen Hecken, Gehölze, Rosen und Stauden in Oldenburg und umzu.
Mehr zu unseren Pflanzarbeiten →
Wenn das Gehölz schon steht: Ahorn aufasten
Nicht alles im Herbst ist Neupflanzung. In einem anderen Garten stand ein Japanischer Ahorn, dessen Stamm unter den tief hängenden Ästen verschwunden war. Eric: „Die Kundin hätte ihn gerne ein bisschen aufgeastet, damit der schöne Stamm auch sichtbar ist. Von daher gehen wir da jetzt bei und schneiden Stück für Stück den schönen Stamm frei." Sein Hinweis dazu ist einer, den wir jedem Gartenbesitzer mitgeben: „Ganz wichtig ist dabei desinfiziertes Werkzeug, denn da können schnell mal Infektionen reinkommen." Pilze und Viren finden über eine frische Schnittstelle leicht in den Stamm, schwächen den Baum und können ihn über Jahre zum Absterben bringen. Eine saubere Schere und ein Desinfektionsmittel zwischen zwei Bäumen sind der günstigste Baumschutz, den es gibt.
Für den Zeitpunkt gilt: Leichte Form- und Pflegeschnitte wie dieses Aufasten sind das ganze Jahr über erlaubt. Der kräftige Rückschnitt an Hecken und Gehölzen ist dagegen ab dem 1. Oktober wieder zulässig – das Bundesnaturschutzgesetz (§ 39) schützt brütende Vögel mit einer Schonzeit vom 1. März bis zum 30. September. Wer eine Hecke deutlich zurücknehmen oder einen alten Strauch verjüngen will, plant das also ab Oktober. Mehr dazu auf unserer Seite zum Baumschnitt.
Und die Hecke?
Für sie gilt alles oben Gesagte, nur in Reihe: Boden lockern, Pflanzen eng auslegen, Ballen lockern, setzen, andrücken, angießen. Eine im Herbst gesetzte Hecke hat bis zum nächsten Sommer eine ganze Wachstumsperiode Vorsprung und schließt schneller zum Sichtschutz. Welche Hecke zu welchem Garten passt und welche Alternativen es gibt, steht in unserem Beitrag zum Sichtschutz im Garten.
Vom Wunsch zur Pflanzung
Sie wissen, dass in Ihrem Garten etwas passieren soll, aber nicht genau was? Dann beginnen wir mit einem Termin bei Ihnen: Wir sehen uns Boden, Licht und Bestand an, sprechen über Ihre Wünsche und sagen Ihnen ehrlich, was sich lohnt und was nicht. Aus diesem Termin wird eine Pflanzplanung, und aus der Pflanzplanung ein Beet, das im Frühjahr zeigt, was im Herbst gemacht wurde. Wer über einzelne Beete hinausdenkt und den ganzen Garten umgestalten möchte, sollte nicht zu lange warten: Die Bautermine für 2027 werden jetzt vergeben.
