Nicht die Kälte ist das Problem
Strenge Winter sind im Oldenburger Land selten. Schäden entstehen trotzdem, nur meist nicht durch die Kälte selbst. Es sind vier Situationen, die Pflanzen zusetzen: Wintersonne bei gefrorenem Boden, Kahlfrost ohne schützende Schneedecke, Nässe, die gefriert, und Wurzeln im Topf, die von allen Seiten durchfrieren. Guter Winterschutz bedeutet deshalb selten Wärme. Er bedeutet Schatten, Trockenheit und eine isolierende Schicht am Boden.
Und vieles braucht gar nichts. Stauden im Beet, heimische Sträucher, eingewachsene Hecken und der Rasen kommen allein zurecht. Stauden ziehen sich im Herbst in den Boden zurück, ihr altes Laub und die stehen gelassenen Stängel sind Schutz genug. Was im Garten vor dem ersten Frost sonst noch erledigt sein muss, von der Bewässerung bis zum letzten Rasenschnitt, steht in Garten winterfest machen. In diesem Beitrag geht es nur um die Pflanzen, die tatsächlich Hilfe brauchen.
„Stauden gehen über den Winter nicht kaputt. Sie ziehen sich nur in ihr Herz zurück und treiben im Frühjahr neu aus. Und was jetzt im Herbst gepflanzt wird, nutzt die Wärme des Bodens, um noch vor dem Winter einzuwurzeln.“
Sonja Meiser, Meistergärtner Meiser · sinngemäß aus einer Aufnahme beim Dreh im August
1Immergrüne: Schatten und Wasser statt Wärme
Kirschlorbeer, Rhododendron, Buchs, Ilex, Bambus und Eiben behalten ihr Laub auch im Winter, und über dieses Laub verdunsten sie weiter Wasser. An einem klaren, sonnigen Wintertag ist das viel. Ist der Boden gleichzeitig gefroren, können die Wurzeln nichts nachliefern. Die Blätter werden braun und rollen sich ein, die Pflanze vertrocknet mitten im Winter. Fachleute nennen das Frosttrocknis, und sie ist der häufigste Winterschaden an Immergrünen.
Der Schutz setzt deshalb an der Sonne an, nicht an der Kälte. Ein Wintervlies oder ein Schattiernetz an der Süd- und Südwestseite, bei kleinen Pflanzen ein paar Tannenzweige in die Krone gesteckt, nehmen die Kraft aus der Wintersonne. Eine Mulchschicht aus Laub oder Rindenmulch über dem Wurzelbereich sorgt dafür, dass der Boden später durchfriert und früher wieder auftaut. Besonders wichtig ist das bei Hecken und Solitären, die erst in diesem Herbst gepflanzt wurden.
Winterwässern: An frostfreien Tagen, wenn der Boden offen ist, gießen Sie Immergrüne durchdringend, am besten gegen Mittag. Gerade nach einem trockenen Herbst ist das der wirksamste Winterschutz überhaupt, im Beet wie im Kübel. Und nach Schneefall schütteln Sie schweren Schnee von Buchs, Eiben und Formgehölzen ab, bevor die Äste brechen. Schnee am Boden dürfen Sie liegen lassen, er isoliert hervorragend.
2Rosen und Hortensien: Geschützt wird die Knospe
Bei Rosen sitzt der empfindlichste Punkt dicht über dem Boden: die Veredelungsstelle, die Verdickung, an der die Edelsorte auf die Unterlage gesetzt wurde. Erfriert sie, ist die Rose verloren. Deshalb wird sie angehäufelt: Erde oder Kompost 15 bis 20 Zentimeter hoch um die Triebbasis ziehen, bei Kahlfrost ein paar Tannenzweige darüber. Geschnitten wird jetzt nicht, der Hauptschnitt folgt im Frühjahr, wenn die Forsythien blühen.
Bei Stammrosen liegt die Veredelung oben, direkt unter der Krone. Dort gehört der Schutz hin: Die Krone wird locker in Jute oder Vlies gehüllt, ein paar Zweige zwischen die Triebe halten das Material auf Abstand. Der Stamm selbst bekommt bei Bedarf eine Schilfmatte.
Bei Bauernhortensien stecken die Blüten für den nächsten Sommer schon jetzt in den Knospen an den Triebspitzen. Wer im Herbst zurückschneidet, schneidet die Blüte ab. Die alten Blütenstände bleiben deshalb bis zum Frühjahr stehen, sie schützen die Knospen darunter. In kalten Lagen oder bei angekündigtem Kahlfrost kommt Laub um die Basis und ein Vlies über die Pflanze. Rispen- und Schneeballhortensien, wie die großen weißen im Bild oben, blühen dagegen am neuen Holz und brauchen keinen Schutz.
3Baumschutz im Winter: der Stamm junger Bäume
Junge Bäume haben eine dünne, glatte Rinde. An klaren Wintertagen heizt die tief stehende Sonne die Süd- und Südwestseite des Stammes auf, nachts fällt die Temperatur wieder weit unter null. Diese Spannung reißt die Rinde auf, es entstehen Frostrisse, durch die später Pilze ins Holz gelangen. Betroffen sind vor allem Obstbäume und Zierbäume mit glatter Rinde, etwa Ahorn, Kirsche oder Amberbaum, in den ersten Standjahren, bis sich eine dickere Borke gebildet hat.
Der klassische Baumschutz dagegen ist ein Weißanstrich: Kalk- oder Stammschutzfarbe aus dem Fachhandel, im Spätherbst an einem trockenen, frostfreien Tag aufgetragen. Die helle Farbe wirft das Sonnenlicht zurück, der Stamm heizt sich nicht mehr auf. Alternativ wird eine Schilf-, Bambus- oder Jutematte locker um den Stamm gelegt. Wo Kaninchen oder Rehe unterwegs sind, schützt eine Manschette aus Drahtgeflecht zusätzlich vor Verbiss.

Auch alles, was in diesem Herbst gepflanzt wurde, verdient einen Blick. Die Wurzeln sind noch dabei, sich im Boden einzurichten. Eine Mulchschicht hält den Wurzelbereich gleichmäßig, bei Trockenheit wird gegossen, und Stützpfähle werden vor den Herbststürmen kontrolliert. Wie wir Gehölze im Herbst setzen, steht in Gehölze, Hecken und Stauden fachgerecht pflanzen.
Baumschutz hat bei uns übrigens noch eine zweite Bedeutung: Wenn auf einem Grundstück gebaut wird, sichern wir Bäume nach DIN 18920 mit Schutzzaun, Stammschutz aus Bohlen und Wurzelvorhang. Mehr dazu auf unserer Seite zum Baumschutz auf Baustellen.
4Kübelpflanzen: Geschützt wird der Topf, nicht die Pflanze
Eine Pflanze im Beet hat das Erdreich als Wärmespeicher um sich. Im Kübel friert der Wurzelballen von allen Seiten durch, und das trifft auch Pflanzen, die im Beet völlig winterhart wären. Der Schutz gehört deshalb an den Topf: Kokosmatte, Jute oder mehrere Lagen Luftpolsterfolie rundherum, das Abzugsloch bleibt frei. Der Kübel steht auf Holzfüßen oder einer Styroporplatte statt auf kaltem Pflaster, möglichst dicht an einer geschützten Hauswand unter einem Dachvorsprung. Mehrere Töpfe dicht zusammengerückt schützen sich gegenseitig. Auf die Erde kommt eine Schicht Laub oder Rindenmulch, die Krone wird erst bei Dauerfrost mit Vlies umhüllt.

Manches muss trotzdem ins Haus. Oleander verträgt leichte Fröste bis etwa minus fünf Grad, danach gehört er ins helle, kühle Winterquartier bei fünf bis zehn Grad, ebenso Zitruspflanzen. Feigen und Kiwis überstehen bei uns den Winter auch im Beet, wenn sie an einer geschützten Hauswand stehen: Der Wurzelbereich bekommt eine dicke Laubschicht, junge Pflanzen ein Vlies. Friert eine Feige in einem harten Winter zurück, treibt sie meist aus dem Holz darunter wieder aus. Wichtig für alle Kübel: Gegossen wird weiter, sparsam, aber regelmäßig an frostfreien Tagen.
5Ziergräser: zusammenbinden statt abschneiden
Große Ziergräser werden im Herbst gern bodeneben abgeschnitten. Das ist der häufigste Grund, warum sie den Winter nicht überstehen: In die hohlen Halmstümpfe läuft Wasser, es gefriert, und das Herz der Pflanze fault. Besonders empfindlich ist Pampasgras. Seine Halme werden locker zu einem Schopf zusammengebunden, damit Regen außen abläuft, das Herz kann zusätzlich mit Laub oder Reisig abgedeckt werden. Bei robusten Gräsern wie Chinaschilf ist das Binden eher Formsache, es verhindert aber, dass Schnee die Halme auseinanderdrückt. Zurückgeschnitten wird im Frühjahr, kurz bevor der neue Austrieb kommt. Bis dahin sehen die Halme an einem Raureif-Morgen ohnehin besser aus als ein leeres Beet.
Das richtige Material: Es muss atmen können
Gutes Winterschutzmaterial hält Sonne, Wind und Nässe ab und lässt trotzdem Luft und Licht durch. Bewährt haben sich:
Wintervlies für Kronen und Immergrüne, es ist dicker als das dünne Frühjahrsvlies. Jute für Rosenkronen und Kübel, sie ist robust und sieht dabei ordentlich aus. Reisig, also Tannen- oder Fichtenzweige, zum Beschatten und Abdecken. Laub als Isolierschicht am Boden, es kostet nichts und wird bis zum Frühjahr zu Humus. Kokos- und Schilfmatten für Töpfe und Stämme. Und Luftpolsterfolie, aber nur außen am Topf.
Was nie an eine Pflanze gehört, ist Plastikfolie, auch keine Mülltüte über der Rose. Darunter staut sich an sonnigen Tagen Wärme, die Pflanze schwitzt, es bildet sich Kondenswasser, und in der feuchten Wärme breiten sich Pilze aus. Im schlimmsten Fall treibt die Pflanze mitten im Januar aus und erfriert dann beim nächsten Frost richtig.
Der richtige Zeitpunkt: lieber zu spät als zu früh
Pflanzen härten im Herbst ab. Die ersten leichten Nachtfröste sind dafür sogar wichtig, sie stellen den Stoffwechsel auf Winter um. Wer schon Anfang Oktober alles einpackt, nimmt ihnen diese Umstellung und schafft unter dem Vlies ein feuchtwarmes Klima, in dem Pilze gedeihen. Unsere Faustregel lautet deshalb: am Boden zuerst, an der Pflanze zuletzt.
Ab den ersten Frostnächten, im Raum Oldenburg meist Ende Oktober bis Mitte November, kommen Laub und Mulch auf die Beete, die Rosen werden angehäufelt, die Kübel eingepackt und die jungen Stämme gestrichen. Vlies und Jute an der Pflanze selbst folgen erst, wenn Dauerfrost angekündigt ist, also mehrere Tage und Nächte deutlich unter null. Das ist bei uns oft erst im Dezember oder Januar der Fall. Kommt eine milde Phase, wird gelüftet. Im Frühjahr nehmen Sie den Schutz schrittweise ab, am besten an einem bewölkten Tag, und behalten die Spätfröste bis Mitte Mai im Blick.
Die häufigsten Fehler beim Winterschutz
Zu früh eingepackt. Unter Vlies, das schon im Oktober um die Pflanze liegt, wird es an jedem milden Tag warm und feucht. Das schadet mehr, als es schützt.
Folie statt Vlies. Plastik an der Pflanze lässt keine Luft durch. Folie gehört, wenn überhaupt, nur außen an den Topf.
Das Gießen vergessen. Immergrüne und Kübelpflanzen brauchen auch im Winter Wasser. Vertrocknet sieht im Frühjahr genauso aus wie erfroren.
Im Herbst geschnitten, was im Frühjahr dran ist. Bauernhortensien, Rosen und Ziergräser werden erst im Frühjahr geschnitten. Was jetzt fällt, fehlt im Sommer als Blüte oder lässt Nässe ins Herz.
Den Kübel auf dem Pflaster vergessen. Kalter Stein zieht die Wärme von unten aus dem Ballen. Holzfüße kosten wenig und machen den größten Unterschied.
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